The BossHoss haben “The Voice Kids” abgelehnt

The Boss HossDie perfekte Location für ein Interview mit Sascha Vollmer (l.) und Alec Völkel von The BossHoss? Richtig, das White Trash in Berlin. Dort trafen wir die beiden zu einem Gespräch über “The Voice of Germany”, ihr geplantes Album, Schmuck, Style und Shopping.

Ihr habt vor einiger Zeit ein neues Album angekündigt. Wie sieht’s damit aus?
Sascha: Ab Mitte November haben wir erst mal mit den Live-Shows von “The Voice” zu tun, die gehen bis kurz vor Weihnachten. Danach werden wir uns eine Auszeit gönnen, uns einfach mal ein paar Wochen rausnehmen aus der BossHoss-Welt und verschnaufen. Ende Januar setzen wir uns im Studio zusammen und fangen an mit dem neuen Album.

Zu The BossHoss gehören insgesamt sieben Leute. Wie kann man sich die Arbeit an einem neuen Album vorstellen? Sind alle im Studio dabei?
Sascha: Nein. Die Idee zu BossHoss ist ja zwischen Alec und mir entstanden. Wir haben die ersten Songs zu zweit geschrieben, und dann war relativ schnell klar, dass ich die Studio-Arbeit übernehme, weil ich das auch vorher schon gemacht habe. Jeder redet mit, jeder hat ein paar Ideen, und es schreibt auch mal ein anderer einen Song. Aber im Normalfall mache ich die Entwürfe, schicke sie erst Alec, und dann wird daran gearbeitet.

Ihr wirkt immer so harmonisch. Gibt’s zwischen euch auch mal Zoff?
Alec: Nö. Natürlich diskutieren wir auch mal ein paar Sachen, aber wir schreien uns nicht an oder verlassen Türen schmeißend den Raum. Wir haben auch mal schlechte Laune, klar, aber wir sind dann trotzdem nicht pissig miteinander. Wenn man auf Tour mal genervt ist, geht man einfach eine Stunde weg.

The Boss Hoss_1Das klingt beneidenswert, denn bei den meisten Kollegen gibt’s Stress …
Alec: Wir sind ja nicht Kollegen, wir sind Freunde. Von Kollegen genervt sein, das kenn ich von früher auch noch. Aber Kollegen arbeiten zweckgebunden miteinander, wir machen das freiwillig. Das ist ein großer Unterschied.

Zurzeit seid ihr bei “The Voice” zu sehen. Guckt ihr euch die Show an?
Sascha: Ja, klar. Wir sind schon neugierig, wie das alles rüberkommt. Wir kriegen ja nur die Hälfte mit, alles was hinter der Bühne mit den Freunden und der Familie passiert, wie die Talents sich vorbereiten, davon merken wir nichts. Außerdem wollen wir natürlich auch wissen, wie wir selbst rüberkommen.

Wie findet ihr es, euch selbst auf dem Bildschirm zu sehen?
Alec: Schwierig. Als ich mich im letzten Jahr gesehen habe, habe ich mich ein bisschen geschämt. Das kennt ja fast jeder, zum Beispiel vom Anrufbeantworter. Wenn man da seine eigene Stimme hört, ist es auch komisch. Inzwischen ist es schon ein bisschen besser geworden.

Zwischen den anderen Coaches und euch fliegen ganz schön die Fetzen. Geht euch das nicht manchmal zu weit?
Alec: Nee, das ist schon okay. Wir respektieren uns alle, wir kennen und mögen uns alle, deshalb funktioniert das auf einer freundschaftlich-sportlichen Ebene. Wir testen gegenseitig unsere Schlagfertigkeit aus, gehen aber nie unter die Gürtellinie. Außerdem muss man es verkraften, einen Treffer zu kassieren, wenn man selbst ordentlich austeilt. Da ist man dann auch mal von der Ponderosa.

Wie geht ihr damit um, in solche Schubladen gepackt zu werden?
Alec: In Schubladen gepackt zu werden, finden wir nicht okay. Wir leben damit, kämpfen dagegen aber auch schon lange erfolgreich an. Wir werden gern reduziert auf Cowboy-Hut, Country und Cover-Songs, weil wir damals damit angefangen haben. Das wird einem in Deutschland lange nachgetragen von Menschen, die einem nicht so wohl gesonnen sind und keinen Bock haben, sich näher mit uns zu beschäftigen.

Wir würdet ihr euch denn selbst beschreiben?
Sascha: Wir sehen uns nicht als Countryband. Wir sehen uns als Rock’n'Roll-Band mit viel Country-Einfluss, aber genauso viel haben wir auch Rock, Punkrock, Blues, Rockabily und moderne Elemente dabei. Aber wir spielen natürlich mit dem Klischee und nennen uns ja auch selber Großstadt-Cowboys. Wenn Xavier uns im Rahmen von “The Voice” in eine Schublade steckt, dann finde ich das nicht so schlimm. Dort hat jeder sein Ding zu tragen, Xavier hat genauso mit Vorurteilen zu kämpfen wie Nena und Rea auch.

Wie fühlt ihr euch eigentlich, wenn Talents “besser als die Coaches” sind?
Alec: Das ist doch super. Das trifft gesanglich bestimmt hier und da zu.
Sascha: Vom technischen Gesichtspunkt beurteilt sind einige Talents mit Sicherheit besser als wir beide zusammen.

Boss Hoss 2011Könnt ihr solchen Talents überhaupt noch etwas beibringen?
Alec: Das ist wie bei einem Fußballtrainer. Der muss ja auch nicht besser sein als sein bester Stürmer. Es geht darum, dass wir eine Menge Erfahrung haben und dass wir als Coach vielleicht eher das Potential eines Sängers erkennen und mit ihm gemeinsam formen können, damit er es optimal präsentieren kann. Wir verstehen uns eher als Berater und Mitarbeiter, nicht als Oberlehrer. Das wäre Quatsch.
Sascha: Du triffst den Ton nicht, du wirst kein erfolgreicher Sänger – das gibt es nicht. Es gibt genügend Beispiele von Sängern, die bei “The Voice” direkt durchgefallen wären und trotzdem Weltruhm erreicht haben, durch ihr Geschrei oder ihr Gekrächze oder ihre Texte. Es geht um viel mehr als um den perfekten Ton, es geht um Ausstrahlung und darum, es ehrlich zu meinen und rüberzubringen, was man singt. Vielleicht können wir einigen Talents helfen, das zu verstehen und umzusetzen.

Euer Tipp: Welcher Coach bringt dieses Jahr “The Voice of Germany” raus?
Alec: Das kann so nicht sagen. wir alle bemühen uns, in erster Linie natürlich für unsere Talents. Jeder will natürlich, dass der eigene Finalist gewinnt und danach Karriere macht. Sascha: Im Moment wissen wir auch noch zu wenig über die Talents der anderen. Wir müssen erst mal abwarten, was in den Liveshows passiert, wie groß die Konkurrenz ist.

TV-Experten prophezeien das Ende der Castingshow-Ära. Was sagt ihr dazu?
Sascha: Viele Formate im Fernsehen laufen sich irgendwann tot. Der “Tatort” ist heute auch nicht mehr das, was er mal war.
Alec: Leute in einem Wettstreit singen zu hören ist nicht das Problem, glaube ich. Es darf nur nicht immer und überall dasselbe sein. “The Voice” funktioniert deshalb so gut, weil das Konzept anders ist als in allen anderen Shows. Die Leute dürfen völlig vorurteilsfrei singen ohne sich Gedanken darüber zu machen, dass ihre Zähne schief, sie zu dick, zu dünn oder zu lang sind oder schon mal da waren und eigentlich durch sind. Auch dass die Ebene sich verschiebt, dass ein Talent auf einmal überlegen kann, zu welchem Coach er will und wir uns um ihn bemühen müssen, macht das Ganze interessanter machen.
Sascha: “The Voice” ist aber auch mehr eine Musikshow als eine Castingshow. Es gibt eine Liveband, jeder Ton ist live gespielt und gesungen. Die Musik steht allgemein mehr im Vordergrund als das Casting.

Es gibt jetzt auch “The Voice Kids”. Wie findet ihr Castingshows für Kinder?
Sascha: Wir wurden gefragt, ob wir mitmachen wollen. Deshalb haben wir uns die holländische Show angesehen und uns damit beschäftigt. Uns wurde versprochen, dass man mit den Kindern mit Respekt und Fürsorge umgegangen wird. Trotzdem ist und bleibt es ein Wettbewerb, und das ist für Kinder ein bisschen fragwürdig.
Alec: Das ist einfach nicht unser Ding. Kinder haben mit Sicherheit eine Menge Spaß daran, in der Show und vor dem Fernseher. Aber ich finde Gesangswettbewerbe mit Kindern einfach komisch.

Man weiß relativ wenig über euch privat. Habt ihr eigentlich selbst Kinder?
Alec: Klar, wir haben Familie, alle in der Band haben Kinder.
Sascha: Wir haben neun Kinder insgesamt. Daraus machen wir auch kein Geheimnis. Aber wir versuchen schon, unsere Kids ein bisschen rauszuhalten.

Wie viele Paar Cowboy-Stiefel besitzt ihr?
Sascha: Wir haben eine Vitrine im Studio, da sind ein paar alte, ausrangierte drin. Vielleicht sechs Paar. Zuhause habe ich vielleicht fünf Paar oder so.
Alec: Echt? Ich hab nur noch eins.

BossHoss_KleinAlec, du trägst die berühmten Boss-Ringe ja gar nicht. Warum?
Alec: Meine Boss-Ringe sind gerade im Urlaub. Mir fehlt ein S, das muss neu hergestellt werden.
Sascha: Echt, hast du das nicht mehr gefunden?
Alec: Ich meine, es ist im Hotel liegen geblieben, das Hotel sagt nein.
Sascha: Guck mal bei eBay. (lacht)
Alec: Ach, das glaubt doch keiner, dass die echt sind. Aber es ist schon komisch. Wir haben die seit Anbeginn, und es ist das erste Mal, dass ein Buchstabe abhanden gekommen ist. Das kleine S, kann man verkraften.

Schmuck für Männer ist eurer Meinung nach …
Alec: … okay, sieht man doch.
Sascha: Ringe, Ketten und Armbänder aus Silber sind okay. Filigraner Goldschmuck ist nichts für uns.

Kauft ihr euch den Schmuck selber?
Alec: Nein, wir schicken unseren Stylisten. (lacht) Klar, das machen wir allein.

Geht ihr gern shoppen oder ist das eher lästig?
Alec: Ein Mal im Jahr oder so habe ich mal Lust, ziehe los und kaufe mir ein paar Sachen. Aber ansonsten nervt es eher.
Sascha: Gezieltes Einkaufen ist okay. Einkaufsbummel, den KuDamm entlang, eher nicht.

Wie wichtig ist euch euer Styling eigentlich?
Alec: Wir haben schon unseren Stil.
Sascha: Vielseitig ist er ja nicht.
Alec: Stimmt (lacht). Aber stimmig. Wir stehen ja in der Öffentlichkeit.

Fotos: Michael Zargarinejad / Universal Music (2), Erik Weiss / Universal Music, copicos

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