Morten Harket: “Wir haben das Image, das man a-ha verpasst hat, gehasst”

Interview mit Morten Harket

Wer Mitte der 80er alt genug war um bewusst Musik zu hören, kam an ihm nicht vorbei: Morten Harket, Sänger der norwegischen Band a-ha. Welches Teenie-Girl war nicht von seinem Lächeln verzaubert, welcher Boy wollte nicht so cool rüberkommen und so erfolgreich sein wie er?! Inzwischen ist Morten 53, doch seinen jungenhaften Charme hat er nicht verloren – davon durften wir uns persönlich überzeugen, als wir ihn in Berlin zum Gespräch über seine neue Single “I’m the One” trafen.

Worum geht es in deinen neuen Song “I’m the One”?
Auf den ersten Blick geht es um zwei Menschen, die in einer Beziehung zueinander stehen. Aber das ist nur die Oberfläche. Es geht darum, dass man ehrlich zu sich selbst sein muss. Man muss nicht allen anderen gegenüber ehrlich sein, das hängt oft von der Situation ab, aber zu sich selbst – alles andere ist sehr ungesund und kann alles zerstören. Nur wer ehrlich zu sich selbst ist, kann glücklich sein.

Morten Harket

Bist du ein glücklicher Mensch?
Das ist eine schwierige Frage, weil niemand genau weiß, was Glück eigentlich bedeutet. Wir beziehen uns ständig darauf, aber wir wissen es nicht. Das Verständnis von Glück hängt wahrscheinlich sehr davon ab, welche Dinge einem wichtig sind.

Was bedeutet Glück für dich persönlich?
Glücklich sein bedeutet für mich zufrieden sein. Einen Moment des Glücks zu erleben ist etwas anderes. Das ist ein Moment voller Emotionen, etwas passiert in unserem Körper, ein Rausch von Gefühlen rinnt durch unser ganzes System.

Du bist ein sehr nachdenklicher Mensch. Wie hast du diese Seite mit der Popmusik von a-ha vereinbaren können?
a-ha hat nie seichte Popmusik gemacht, sondern sich immer sehr tiefgründig mit wichtigen Fragen beschäftigt. Das merkt man sofort, wenn man die Songtexte liest. Es waren die Medien, die aus uns etwas anderes machten, als wir waren. Wir haben das gehasst. Wir haben das wirklich gehasst. Irgendwann war das Bild von uns, das sie kreiert hatten, präsenter als wir selbst. Wir wussten nicht, wie wir damit umgehen sollten, und haben uns schließlich komplett aus den Medien zurückgezogen.

Leidest du noch immer unter dem Boyband-Image?
Heute ist es zum Glück anders. Als wir unser Comeback gefeiert haben, haben wir gemerkt, dass es viele Menschen gegeben hat, die uns zugehört und uns verstanden haben. Auf einmal ist man uns ganz anders gegenüber getreten.

Dein neuer Song heißt “The One”. Wann bist du zum letzten Mal der Eine für jemanden gewesen?
Das hängt davon ab, wen du fragst. (lacht) Man kann so etwas nicht mit Sicherheit sagen. Menschen hören meine Musik oder lesen meine Texte, das sind mitunter sehr private Momente, in denen ich dann vielleicht der Eine bin. Das bringt meine Rolle als Sänger mit sich. Aber ich bin dann nicht zwangsläufig der Einzige.

Morten Harket

So meinte ich die Frage nicht, geschickt ausgewichen. Also direkter: Glaubst du an das Konzept des einen Menschen, der großen Liebe?
Ich glaube nicht an Versprechen, wie zum Beispiel in der Ehe, dass ein anderer Mensch für immer der Eine im Leben sein wird. Das kann man nicht wissen, Dinge ändern sich. Aber im Moment bin ich sehr glücklich mit meiner Familie und hoffe natürlich, dass ich für meine Frau der Eine bin.

Fotos: Universal Music/Just Loomis (2), copicos

This entry was posted in Film / TV / Music and tagged , , , . Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>